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08.08.2012 – Durch das Land der Kirchenburgen

Heute ist der letzte Tag unserer schönen Rundreise durch Siebenbürgen. Auf dem Weg zurück nach Hermannstadt wollen wir uns ein paar der vielen schönen Kirchenburgen anschauen, die hier sehr zahlreich zu finden sind. Südlich von Schäßburg liegt der kleine Ort Apold (dt. Trappold). Hier steht eine noch sehr gut erhaltene Kirchenburg auf einem Bergkegel, die momentan von einer deutschen Stiftung behutsam restauriert wird. Die dreischiffige Hallenkirche ist umgeben von dicken Wehrmauern und drei großen Wehrtürmen die zu Beginn des 16. Jh. zu Verteidigungszwecken errichtet wurden.

Auf eigene Gefahr durften wir trotz der Restaurierungsarbeiten das Innere der Kirche betreten. Hier ist ganz schön was los.Versteckt hinter dem Gerüst befindet sich der klassizistische Orgelaltar von 1821. Ebenso sehenswert ist die Sakramentsnische, sowie die Kanzel und die Empore von 1760.

Und wie soll es anders sein, auch hier gilt: Die Welt ist ein Dorf. Einer der Vorarbeiter auf der Baustelle ist ein weiter Verwandter von unseren Native Speakern. Dies öffnete auch dieses Mal die ein oder andere (Baustellen-) Tür :-).

Hier kann man mit gutem Gewissen behaupten, dass so eine Stiftung wirklich etwas bewirken kann. Die Kirche wurde schon sehr gut restauriert und ist ein wahrer Schatz. Zum Schluss durften Eisigel und ich auch auf einen der Wehrtürme klettern und die Aussicht genießen :-).

Wieder ab ins Auto und weiter gehts nach Bradeni (dt. Henndorf). Von dieser Kirche durften wir in Schäßburg in der Burgkirche schon einige der Stollentruhen bewundern. Mal schauen ob es hier noch welche gibt. Von außen ist die Burgkirche echt eine Wucht. Schaut echt beeindruckend aus.

Was fällt auf? Es fehlt der Turm. Ist ja auch so groß genug :-). Den Schlüssel für den Zugang zur Kirche besitzt eine ältere Dame aus dem Dorf. Zum Glück war sie gerade anwesend und konnte uns Zugang gewähren. Dank vielen Spendengelder ist die Kirche in einem sehr guten Zustand. Im Inneren der Kirche kann man die vielen schönen bunten Malereien bewundern, wie ich sie vorher noch in keiner Kirche gesehen haben. An Stelle von Protz und Prunk waren hier kreative Künstler am Werk und haben dieser Kirche ihre eigene Seele gegeben.

Im Anschluß an die Besichtigung der Kirche durften wir ins Obergeschoß der Kirche klettern. Hier wird das Geheimnis von ehemals über 300 Stollentruhen bewahrt. Diese vollständig und ohne Verleimungen gefertigten Truhen werden in ihrer Anzahl und Gestaltung als europaweit einmalig betrachtet.

Die Truhen verteilen sich im Dachgeschoß auf mehreren Etagen. Hier kann man seiner Neugier freien Lauf lassen und die Truhen nach wertvollen Schätzen der Vergangenheit durchsuchen – falls man den Deckel aufbekommt ;-).

Experten vermuten, dass die Vorratstruhen im 16.-18. Jh. gefertigt wurden und in der Burg für die Aufbewahrung von Vorräten während Belagerungszeiten dienten. Die teilweise noch gut erhaltenen Bemalungen sind keiner bestimmten Epoche zuzuordnen. Auf dem Gelände der Burgkirche befindet sich ein Tunneleingang. Dieser soll der Zugang zu einem unterirdischen Fluchtweg zu dem ehemaligen Schloss des Grafen Kirr auf dem Grafenberg gewesen sein.

Mit einem letzten Blick auf das Wehrgeschoss über dem Kirchenschiff verabschiedeten wir uns und weiter gehts zum nächsten Dorf, nach Agnita (dt. Agnetheln).

Oh Schreck, die der Legende nach von der heiligen Agneta gegründete und unter ihrem Segen stehende Stadt ist die reinste Großbaustelle. Just zu unserem Besuch wurde die komplette Durchgangsstraße aufgerissen. Also irgendwo das Auto parken und dann mal die Kirche anschauen. Hmm, eigentlich hat die Kirchenburg einiges zu bieten, doch von dem beeindruckenden Kirchenkomplex ist hier nicht viel zu sehen. Das Gelände ist abgesperrt und sieht nicht so aus, als ob hier viel Aktivität herrscht.

Schade, so blieb uns nur der flüchtige Blick von außen.

Da der Tag doch noch nicht so alt war :-), beschlossen wir nach Hermannstadt durchzufahren und uns das bekannte Freilichtmuseum „Complexul National Muzeal Astra“ anzuschauen.

Der Museumskomplex ist die wichtigste ethnomuseale Einrichtung des Landes. Wir besuchten die bedeutendste Einheit, das Freilichtmuseum der traditionellen Volkskultur. Klingt voll öde, ist aber sehr interessant. Auf fast 100ha erstreckt sich das Areal, das mit einem zentralen See und kleinen Bächen angelegt wurde, um die rustikalen alten Mühlen anzutreiben. Die rund 350 Gebäude sind allesamt Originale. Neben verschiedenen Gehöften mit Werkstätten kann man hier z.B. auch alte Kirchen, Wirtshäuser, Windmühlen oder Sennhütten anschauen. Nirgendwo anders in Europa kann man so eine ethnographische Freilichtausstellung bewundern. Hier ein paar Schnappschüsse :-).

So sahen früher Riesenräder aus. Sehr vertrauenserweckend :-).

Ganz schön viel zum Anschauen :-). 10km asphaltierte Wanderwege durch 36 Themengebiete. Tdy und Eisigel sind knülle.

Nach diesem Trip freuten wir uns auf unsere schon vorab reservierte Pension „Casa Baciu„in der 8km entfernten Stadtmitte. Am Abend ging es wieder in die belebte Innenstadt wo wir zum Abschluss noch einmal ein leckeres Abendbrot genossen.

07.08.2012 – Ein Tag im historischen Schäßburg

Heute hatte sich unser Auto mal eine Pause verdient. Nach dem Frühstück im Hotel machten wir uns zu Fuß auf den Weg in das historische Zentrum von Schäßburg, dass sich auf dem steilen Burgberg befindet. Das historische Zentrum befindet sich in der Oberstadt und verteilt sich auf dem unteren Burgberg und dem oberen Schulberg. Die noch vollständig bewohnte Burgstadt ist einmalig in Europa und wurde 1999 zum Unesco Weltkulturerbe ernannt. Die Festung der Burgstadt besitzt 8m hohe Burgmauern und noch neun erhaltene Wehrtürme, die den Namen der Zünfte tragen, von denen sie einst erbaut wurden. Der schönste Weg in die Burgstadt führt über die Turmstraße hinauf zum Stundturm, dem Wahrzeichen von Schäßburg.

In dem fünfstöckigem und 64m hohen Stundturm befindet sich das Geschichtsmuseum. Im ersten Stock beginnt die Ausstellung mit einer Archäologie-Ausstellung, weiter gehts im zweiten Stock mit einer Sammlung interessanter Gegenstände zum Thema Medizin und Pharmazie des Mittelalters. Natürlich gibts im Stundturm, der schlichtweg „Turm mit der Uhr“ genannt wird, auch ein Uhrenmuseum. Neben Sand-, Wand- und Sonnenuhren zeigt das Museum auch das Schäßburger „Rad der Zeit“, das eigentliche Uhrwerk der Turmuhr mit seinen Figuren. Bevor man auf der obersten Plattform nach außen auf die Holzgalerie gelangt, kann man sich die kleine Ausstellung zu Ehren Hermann Oberth anschauen, der als einer der Väter der Raumfahrt gilt und acht Jahre das deutsche Gymnasium in Schäßburg besuchte. Seine Experimente bildeten die Grundlage der späteren Flüssigtreibstoff-Raketenantriebe.

Hier ein Blick auf die Klosterkirche und den Fluß Tarnava Mare.

Und hier der Blick auf die Piata Muzeului. Das vordere gelbe Haus ist das Casa Vlad Dracul, in dem Vlad Dracul vier Jahre lang weilte. Einer Überlieferung nach, soll sein Sohn, der später unter dem Namen Vlad Tepes Draculea bekannt und berüchtigt wurde, hier geboren sein.

Leider kann ich euch keine Fotos von den Ausstellungsstücken im Museum zeigen, da man hier die Frechheit besitzt und für die Fotografie-Erlaubnis das dreifache des Eintrittspreises verlangt, also knapp 6,50€. Die spinnen ja.

Der nächste Stopp war die Klosterkirche, gleich neben dem Turm. Sie ist eine von acht Kirchen in der Burgstadt und wurde 1298 erstmals erwähnt. Die einst dem Dominikanerorden gehörende Kirche war über einen Kreuzgang mit dem daneben liegenden Kloster verbunden. Bemerkenswert ist der Barockaltar von 1680 und das bronzene Taufbecken von 1440. Auf dem Abendmahlsbild des Altars sollen die Jünger die Gesichtszüge der damaligen Ratsmitglieder und des Stadtpfarrers tragen.

Nach der kurzen Abkühlung in der Kirche machten wir uns über den Piata Cetatii und die Schulstraße auf den Weg zum Schulberg mit der Bergkirche.

Die vielen bunten Häuser und Gaststätten in den Zunftgassen, wie z.B. das „Haus mit dem Hirschgeweih“ (links oben im Bild), machen Schäßburg zu einem einmaligen architektonischen Zeitzeugen. Die Fans der Stadt nennen Schäßburg auch „das rumänische Rothenburg ob der Tauber“.

Der Aufstieg zum Schulberg erfolgt über die Schülertreppe, einem überdachten und hölzernen Aufgang mit 175 Stufen. Der Name ergibt sich aus dem Namen des Berges und der sich auf dem Berg befindlichen deutschen Schule „Lyzeum Joseph Haltrich“. Die Treppe an sich, hat der fürsorgliche Schulmeister 1642 errichten lassen, um seinen Schülern den Aufstieg im Winter zu erleichtern.

Von hier aus sind es nur noch wenige Meter bis zur Bergkirche. Sie wird heute nicht mehr für Gemeindegottesdienste genutzt, sondern ist viel mehr ein Museum, in dem bedeutende Altäre aus aufgegebenen oder gefährdeten Dorfkirchen ausgestellt werden. Des Weiteren gibt es hier auch eine Sammlung von Vorratstruhen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Auf dem Gelände der Bergkirche befindet sich auch ein alter schöner historischer Friedhof.

Für den Weg vom Schulberg hinab wählten wir die Straße an der westlichen Stadtmauer entlang. Dabei kamen wir an einigen Wehrtürmen vorbei, in denen auch noch einige Handwerker ihre Zunft vorstellten.

Hier der Seilerturm:

Weiter unten befindet sich z.B. der Schusterturm:

Wieder in der Innenstadt angekommen, kühlten wir uns mit der frischen selbstgemachten Limonade ab und schrieben die restlichen Postkarten.

Frisch gestärkt erkundeten wir noch eine Weile die schönen Gassen der Burgstadt. Hier noch mal ein Blick auf den Stundturm mit den Figuren des Uhrwerks.

Jetzt verliessen wir die Burgstadt um uns in der Unterstadt etwas umzusehen. Auf der anderen Seite des Flusses befindet sich die Orth. Kathedrale Sfanta Treime.

Nach einer kurzen Abkühlung im Hotel suchten wir uns noch ein nettes Restaurant für ein leckeres Abendessen. Wir fanden das etwas versteckt liegende Restaurant Casa Ferdinand an einem Aufgang in der Nähe des Piata Octavian Goga. Hier konnte ich die in dieser Region typische Suppe im Brotteig kosten und genießen :-).

Zum Nachtisch gab es auch wieder eine kleine Leckerei. Crepes mit Eis gefüllt :-). Dieses Restaurant kann ich euch wirklich ans Herz legen. Unbedingt vorbeischauen wenn ihr mal hier seit.

Mit so einem vollen Bauch kann man sich natürlich noch nicht ins Bett legen. Deshalb genossen wir noch etwas die Abendsonne und spazierten etwas durch die Gegend.

Hier ein lustiger Schnappschuss. Dieses Haus ist auch schon müde :-). Daher Gute Nacht!

06.08.2012 – Der Kirchenburgen-Tag und Willkommen in Schäßburg

Da der gestrige Tag ja nicht so ganz wie vom Schreibtisch aus geplant verlief, schmissen wir die Planung für den heutigen Tag über den Haufen und machten uns gleich auf den Weg Richtung Schäßburg. Vorher studierten wir noch die Straßenkarte und den Reiseführer und suchten uns ein paar Zwischenziele zum Anschauen raus.

Erster Halt unserer Burgenreise war in Prejmer (dt. Tartlau). Die berühmte evangelische Wehrkirche liegt im historischen Ortskern von Tartlau und ist seit 2004 Unesco Weltkulturerbe. Die Kirche wurde bereits im 13. Jahrhundert errichtet. Da Tartlau auf dem Haupteinfallsweg von Siebenbürgen liegt und das Dorf regelmäßig überfallen wurde, begann man ab dem 15. Jh. mit der Errichtung der Burg um die Kirche. In der massiven Ringmauer befinden sich über 270 Wohnzellen und Lagerkammern. Im Falle eines Angriffs boten diese Räumlichkeiten bis zu 1600 Dorfbewohnern Unterschlupf.

Natürlich wollten wir uns dieses historische Bauwerk von Innen ansehen und in den dunklen und verwinkelten Wehrgängen herumklettern. Dieses Vorhaben hatten auch einige andere ausländische Reisegruppen. In deren wie auch in unserem Reiseführer sollte die Kirchenburg Montags offen haben. Denkste, mal wieder. So standen wir vor dem verschlossenen Eichentor. Da auf unser Klingeln beim Burgherren keiner reagierte, beschloss unser Native Speaker mal den Pfarrer ausfindig zu machen und dort nachzufragen, ob er mal für 2 Stunden uns und den anderen Touristen das Tor öffnen könnte. Leider musste der Pfarrer wichtigen Papierkram erledigen und so blieb uns nur der Blick von außen.

Hier ein Blick auf die Kirche hinter den dicken Mauern.

Also, weiter gehts zur zweiten Station. Richtung Westen fuhren wir nach Harman (dt. Honigberg). Diese Kirchenburg hatte eigentlich auch zu, aber der deutsch sprechende Burgherr hat bei diesem super Wetter eine Einnahmequelle entdeckt und die Burg einfach geöffnet. Schön für uns und die anderen Touris, die wir auch schon in Tartlau getroffen hatten :-).

Die Basilika innerhalb der mächtige Bauernburg von Honigberg stammt auch aus dem 13. Jh. Nach und nach wurden um die Kirche bis zu drei Ringmauern, ein Wassergraben und zahlreiche Wehrtürme errichtet. Die Kirchenburg wurde vor allem im 16. und 17. Jh. mehrfach belagert, konnte aber nie eingenommen werden. Im Jahr 1612 verteidigten die Dorfbewohner ihre Burg sogar gegen ein ungarisches Heer aus 7000 Mann.

In dieser, wie auch in jeder anderen Kirchenburg, erfolgt die Versorgung mit Wasser über Brunnen, die sich innerhalb der Befestigung oder sogar innerhalb der Kirche befanden. Ungewöhnlich bei dieser Kirchenburg ist, dass einige der Wohn- und Vorratskammern direkt an der Kirchenmauer errichtet wurden.

Und hier ein Bild vom Inneren der Kirche. Toll fand ich die bunten Kissen und die etwas anderen Sitzbänke :-).

Alle guten Dinge sind Drei, deshalb machten wir uns auf den Weg nach Viscri (dt. Deutsch-Weißkirch). Da der Ort etwas abgelegen liegt, durften wir die letzten Kilometer mal wieder auf unseren geliebten Schotterpisten fahren. Unterwegs bot sich uns ein recht krasses Kontrastprogramm. Einerseits verdorrte Wiesen und andererseits grüne bewässerte Felder.

Das Dorf Deutsch-Weißkirch gehört zu den authentischsten siebenbürgischen Dörfer, deren regionaltypische Architektur fast vollständig erhalten ist. Der Dorfkern und die Kirchenburg gehören weit 1999 zum Unesco-Weltkurlturerbe, zusätzlich wird der Erhalt des kulturhistorischen Wertes durch die englische Stiftung Mihai-Eminescu-Trust gefördert. Durch die Zusammenarbeit einheimischer und zurückgezogener Dorfbewohner, gelang es in den letzten Jahren zahlreiche Bauernhäuser mit traditioneller Technik instand zu setzen. Prinz Charles war auch schon hier, weil er das idyllischen Flair so liebt und auch Peter Maffay lief Tdy über den Weg :-). Kein Quatsch. Echt. Winke winke. Konnte leider kein Autogramm abstauben.

Die Straße hoch zur Kirchenburg wurde sehr schön gepflastert und die Häuser sind sehr schön restauriert. Der Rest des Dorfes kommt wohl in den nächsten Jahren dran. Aber nun zur Kirche. Sie wurde gegen 1500 zu einer Wehrkirche umgebaut und ist ein eindrucksvolles Beispiel der siebenbürgischen Wehrarchitektur.

In der Ringmauer wurde ein Volkskundemuseum mit schönen Ausstellungsstücken errichtet. In friedlicheren Zeiten wurden auf den Wehrtürmen und Wehrgängen Überdachungen errichtet, die als Lagerplatz für die Kornkästen der Dorfbewohner dienten.

Die meisten der Aufgänge in den Ringmauern und der Kirche sind begehbar. Da die Burg auf einem Hügel steht, hat man einen tollen Ausblick.

Nach diesen anstrengenden Besichtigungen ;-), gönnten wir uns in einem kleinen Café in einem der Bauernhöfe ein Stück Kuchen und einen Kaffee :-).

Unser letztes Ziel für heute hieß Sighisoara (dt. Schäßburg). Am späten Nachmittag erreichten wir die Innenstadt und machten uns auf die Suche nach einem Hotel. Das gestaltete sich gar nicht so einfach, da Schäßburg ein beliebtes Urlaubsziel ist. Aber wir hatten Glück und ergatterten ein paar ganz gute Zimmer in der Nähe der Innenstadt. Dort suchten wir uns auch gleich ein nettes Restaurant und ließen den Tag gemütlich ausklingen.