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30.07.2012 – Auf den Spuren der Vergangenheit in Bekokten

Heute ist Familientag. Meine Reise-Compagnons wollen den heutigen Tag nutzen das Dorf ihrer Kindheit zu besuchen. Unsere Foto-Meisterin, der Eisigel und ich werden das erste Mal dorthin reisen – wir sind schon sehr gespannt. Bevor es am frühen Vormittag in Richtung Bekokten losging, machten wir noch einen Abstecher zum auch hier ansässigen Kaufland. Erstens um uns mit etwas Proviant einzudecken und zweitens um eine Marktanalyse der Preise durchzuführen.

Was wird mich hier bloß bei diesem Schild am Eingang erwarten? Man beachte das zweite Verbotszeichen von links.

Ohne Schusswaffe und nur mit einer Kreditkarte bewaffnet erledigten wir unsere Einkäufe und machten uns auf den Weg in das 24km nördlich gelegene Bekokten. Der Name Bekokten ist auf eine Wasserquelle zurückzuführen: Bekokten ist vom ungarischen „Baranykur“ abgeleitet, was so viel wie „Lammbrunnen“ bedeutet. Vor langer Zeit soll eine gnadenlose Dürre in der Gegend geherrscht haben. Das Dorf wurde von einem durstigen Lämmchen gerettet, das in einem verlassenen Hof eine Quelle entdeckte. Über dieser Quelle wurde der „Lammbrunnen“ gebaut. So kam das Dorf zu seinem Namen (Quelle: kirchenburgen.org/bekokten-barcut). So idyllisch wie diese Geschichte sind die Straßen nach Bekokten leider nicht. Die anfänglich noch asphaltierte Straße war übersät von riesigen Schlaglöchern, Rissen und sich abrupt ändernden Fahrbahndeckenhöhen. Zum Glück war irgendwann der Asphalt weg und nur noch schön platt gefahrener Schotter, zumindest bis kurz vorm Dorf ;-). Von einer Anhöhe aus konnte man schon den alten hölzernen Kirchturm sehen. In Bekokten angekommen parkten wir unsere Autos neben dem Pfarrhaus (links im Bild).

Und hier der Blick ins Dorf bzw. zur Kirchenburg.

Nach dem Besuch des Pfarrhaus führte uns eine dort angetroffene deutschsprachige Jugendbetreuerin in das Gemeindehaus. Dort wurde das Mittagessen für die im Pfarrhaus und Gemeindehaus untergebrachten Heimkinder, die hier ihre Ferien verbringen, gekocht. Leider sind die Kinder hier wirklich arm dran. Spielzeug basteln sie sich aus dem, was sie auf der Straße finden. Hätte ich das gewusst, hätte ich wenigstens einen Fußball mitgebracht. Schon etwas traurig. Trotzdem waren die Kinder sehr nett und natürlich etwas neugierig :-), aber nicht aufdringlich.

Weiter gings zur deutschsprachigen Schule die momentan saniert wird. Von außen sieht das schon sehr gelungen aus. Da wir uns natürlich auch die Kirchenburg von innen ansehen wollten, mussten wir erstmal den Schlüssel besorgen. Also ab durch das Dorf zum Schlüsselwächter ;-). Auf dem Weg dahin schauten wir uns die alten und oftmals verlassenen Höfe an. Erstaunlich ist, dass ab und zu dazwischen ein komplett neu gebautes Haus steht.

Mit Schlüssel und Burgwächter gings auf zur Kirche. Hier ein kurzer geschichtlicher Hintergrund: Aus dem 15. Jh. sind hier noch der Glockenturm mit Wehrgang, sowie eine 60-70cm breite Treppe im inneren der Mauern erhalten. Später wurde im 19. Jh. ein Teil der Kirche abgetragen und darauf eine Saalkirche erbaut. Im inneren der Kirche existiert ebenfalls ein Brunnen. Nachdem wir uns das Innere der Kirche angeschaut hatten, erklommen wir durch den schmalen und steilen Treppenaufgang den Kirchturm. Weiter nach oben ging es über wackelige Holzleitern. Oben angekommen hatten wir einen tollen Ausblick über das Dorf und man konnte schön in die Höfe hinein schauen.

Zum Glück wieder Boden unter den Füßen, besuchten wir noch das Haus der Großeltern der Familie, die hier zwar nicht mehr wohnen, aber noch in Kontakt mit den aktuellen Bewohnern stehen. Da wir gerade bei Familienangelegenheiten sind, da gibt es außerhalb des Dorfes auch noch einen riesigen Acker, den wir uns natürlich anschauen mussten 😉 *aaahhh* –> Angriff der RIESEN-STABHEUSCHRECKE. Nichts böses ahnend stiegen wir aus dem Auto und schauten uns die Gegend an –  da fiel dieses Monster über uns her. Aber seht selbst:

Wieso immer ich? „Der Weiße“ verkrümelt sich schon …

Ein Abstecher ins Grüne. Das Vieh hockt immer noch auf meinem Kopf …

Irgendwann verlor auch ich meine Geduld und kickte das Vieh mit meinem Super-Karatekick in die Pampa :-). Daraufhin machten wir uns aus dem Staub, vorher nahmen wir aber noch etwas frisch gemachten Käse aus Schafsmilch mit. Etwas außerhalb des Dorfes auf einem ehemaligen Bolzplatz machten wir unser Picknick.

Frisch gestärkt freuten wir uns auf die vor uns liegende Schlagloch-Slalom-Strecke :-). Hier ein Blick auf Fogarasch:

Da der Abend noch jung war, nutzten wir die restliche Zeit um uns Fogarasch anzuschauen. Mitten in der Stadt wird gerade eine riesige Kathedrale errichtet.

Direkt daneben befindet sich die Cetatea Fagarasului. Mit dem Bau der Zitadelle wurde gegen 1310 begonnen und vom 15.-17. Jh. im Stil der Siebenbürger Renaissance umgebaut. Umgeben ist die Zitadelle von einem großen Wassergraben. Die Fogarascher Festung ist eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Burgen Rumäniens.

Nach einem kurzen Spaziergang um die Festung machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant, was sich schwieriger gestaltete als gedacht. Dennoch haben wir etwas später am Abend im Restaurant „The Corner“ gegenüber dem Bulevard Hotel etwas Leckeres zu essen bekommen. Knülle machten wir uns auf dem Weg ins Hotel :-).

29.07.2012 – Auf in die Karpaten, viele Storchennester und Wiedersehen mit der alten Heimat

Trotz der bis tief in die Nacht stattfindenden Hochzeitsfeier in unserem Hotel, hatten wir einen erholsamen Schlaf und starteten bei blauem Himmel und Sonnenschein in den zweiten Tag unseres Abenteuerurlaubs :-). Da wir mit der Mietwagenfirma den Abholtermin der Autos auf Mittag vereinbart hatten, schlenderten wir nach dem Frühstück noch etwas durch Sibiu.Dabei haben wir ein Stück der alten Stadtmauer entdeckt. Hier stehen wir vor dem Zimmermannsturm.

Kurze Zeit später ging es per Taxi zum Flughafen. Hier nahmen wir unsere zwei Chevrolet Aveo in Empfang, stopften unsere Koffer rein und fuhren erst einmal zur Tankstelle :-). Mit vollen Tanks machten wir uns auf den Weg in die Fogarascher Berge. Die transsylvanischen Alpen sind die längste und höchste Bergkette der Karpaten. Von Hermanstadt ausgehend ging es Richtung Osten auf der Nationalstraße 1 bis zur Abzweigung in der Nähe von Carta. Hier bogen wir auf den Transfagarasan ein. Diese Höhenstraße beginnt bei Cartisoara und führt Richtung Süden hinauf in die Berge. Kaum haben wir die ersten Höhenmeter überwunden wurde es immer kurviger. Diese Serpentinenstraße sucht Ihresgleichen ;-).

Gut durchgeschüttelt erreichten wir weiter oben ein kleines Plateau bevor es recht kurvig weiter bis nach oben führte. Auf einer Höhe von rund 2036m liegt der Balea Gletschersee, der Ziel unserer Auffahrt war. Das Gebiet um den See ist eine Pilgerstätte für Wanderer und Wintersportler und war auch an diesem sonnigen Sonntag mehr als gut besucht. Mit viel Geduld schlängelten wir uns durch die Menschenmassen und fanden dann doch zwei Parkplätze *puh*. Wir hatten schließlich nicht vor unsere Autos halb auf der Straße am steilen Abhang zu parken, wie es viele Einheimische taten. Auch mit dem Wetter hatten wir mal wieder Glück. Einen Tag vorher ist hier wohl die Welt untergegangen *hehe*. Nun aber zur tollen Aussicht:

Von da ganz ganz unten sind wir losgefahren. Hier noch mal ein besserer Blick auf die kurvige Straße die sich zwischen den beiden höchsten Bergen Rumäniens, dem Moldoveanu (2544m) und dem Negoiu (2535m), hoch schlängelt.

Nach der schönen Aussicht lockte das Haus am See mit Kaffee und Kuchen (Cabana Balea Lac). Was für ein Glück, kaum unter dem großen Schirm auf der Terrasse mit Seeblick Platz genommen, kam ein kurzer, aber heftiger Regenschauer.

Gestärkt von leckeren Kuchen kraxelten wir etwas um den See herum.

Ist das nicht schön hier? 🙂 Unten am Parkplatz gab es jede Menge kleiner Hütten mit Souvenirs und natürlich Essen. Aber nicht so wie bei uns, sondern wie man es sich halt von Rumänien vorstellt, das hatte echt was für sich.

Natürlich habe ich mir einen leckeren Maiskolben gekauft:

Im Anschluss ging es die netten Serpentinen wieder abwärts. Wieder unten angekommen, hielten wir kurz vor Cartisoara und unsere Foto-Meisterin nutzte das herrliche Licht und die Kulisse für ein kleines Shooting :-).

So, jetzt aber ab in die Autos nach Fogarasch, weiter Richtung Osten. Unterwegs kamen wir auf der Nationalstraße durch viele Dörfer mit Storchennestern. So viele Storchennester hab ich echt noch nicht auf einem Haufen gesehen :-). Die Straßen waren hier schön geteert, aber in den Seitenstraßen nur die ersten 10 Meter *g*, danach ging es in der Regel mit Schotter weiter.

In Fogarasch checkten wir kurz in der Pension Vanessa ein, denn wir waren heute Abend noch bei Freunden der Familie zum leckeren Grillen eingeladen *freu*. Also nix wie auf den Weg. Der Weg nach Copacel führte uns an alten verlassenen Industrieruinen und auch an den ersten grooooßen Schlaglöchern vorbei. Wir parkten unsere Autos im Hof  und drehten noch eine Runde durch das kleine Dorf um die Kühe bei der Heimkehr zu beobachten. Die finden von ganz alleine ihre Haustür :-).

Und hier brutzelt unser Abendbrot. Dazu gabs dann noch leckeren selbstgemachten Krautsalat.

Am späten Abend fuhren wir im Dunkeln, den Schlaglöchern ausweichend, wieder nach Fogarasch ins Hotel. Ab in die Heia :-), es war ja schon spät.

Zum Schluss noch ein Blick hinter die Kulissen. Wolltet ihr schon immer wissen wie unsere tollen Fotos entstehen? Position einnehmen, Gleichgewicht halten, Grinsen, Scharf stellen und abdrücken 🙂

28.07.2012 – Die Reise in das unbekannte Land oder Ich versteh nur Bahnhof

Juhu, endlich geht es wieder los. Nach über einem Jahr urlaubsfreier Zeit haben wir uns den Urlaub auf jeden Fall verdient.

Am Morgen fuhren Eisigel und ich in Begleitung unserer 5 Reise-Compagnons zum Flughafen in München. Unser Flieger startete pünktlich gegen 10:30 Uhr. Zur Abwechslung saßen wir mal in der letzten Reihe. Nach ca. 1h und 20 Minuten landeten wir sicher in der Gluthitze von Siebenbürgen in Sibiu. Kurz noch durch die Passkontrolle und das Gepäck entgegen genommen. Bis hierher hat doch alles super geklappt.

Freudig watschelten wir zum Mietwagenschalter. Hmmm, komisch, warum war der nicht besetzt? Mein Bauchgefühl sagte mir, dass unsere Umbuchung auf einen Tag früher wohl nicht bis zu diesem kleinen Schalter in der Pampa durchgedrungen war. Zum Glück hatten wir ja zwei „Native Speaker“ on board. Nach dem die nette Dame von Avis uns ihr Telefon lieh um den Mann vom Schalter anzurufen, bestätigte sich meine Vorahnung.

Also ging es mit den Taxen zur über HRS reservierten Pension. Achja, hab ich schon erwähnt, dass es sch…. heiß draußen war. Frisch verschwitzt rollten wir unsere Koffer in die Hofeinfahrt der Pension. Dort gab es schon die nächste Überraschung: „Zimmer? Ich habe keine Reservierung“ – AAAHHH! „Willkommen in Rumänien“. HRS hatte unsere Reservierung nicht an die Pension weitergegeben. Der Inhaber war aber sehr freundlich und hat uns ein sehr gutes Alternativhotel (Hotel Apollo) organisiert, zum gleichen Preis. Nach dem ganzen hin und her machten wir uns im Hotel etwas frisch und genossen unser erstes kühles Getränk auf der Hotelterrasse. Frisch gestärkt machten wir uns auf den Weg das historische Viertel von Sibiu zu erkunden. Auf dem Weg in die sanierte Innenstadt kommt man einer Menge sehr interessanter Gebäude vorbei ;-).

Sibiu, auch unter dem Namen Hermannstadt bekannt, wurde 1191 von deutschen Siedlern gegründet und war 2007 europäische Kulturhauptstadt. Im Zuge dessen wurde die Innenstadt richtig schön aufpoliert. Das ist auch wirklich gut gelungen und auch 5 Jahre später muss sich die Innenstadt auch vor anderen europäischen Städten nicht verstecken. 1692 wurde Hermannstadt die Hauptstadt Siebenbürgens und zählt heute rund 170.000 Einwohner.

Vom zentralen Ausgangspunkt, dem Piata Mare zweigen viele Straßen ab, die zum Bummeln einladen oder wo man viele schöne Häuser und Innenhöfe entdecken kann.

Bei blaustem Himmel und ein Eis schleckend schlenderten wir durch das sehr schöne Zentrum von Sibiu.

Und hier stehen wir vor der 1902 bis 1906 erbauten Orthodoxen Kathedrale, die der Hagia Sophia in Istanbul nachempfunden wurde.

Nach unserem großen Rundgang machten wir uns auf den Weg was Leckeres zum Abendbrot zu finden. Einige rumänische Gerichte kannten wir ja schon aus Deutschland, aber jetzt wollten wir sie doch mal direkt vor Ort probieren :-). Abends erwacht die Stadt wieder richtig zum Leben, wenn es nämlich wieder etwas kühler wird. Wir fanden einen gemütlichen Platz draußen vor einem Lokal, wo wir die Leute beim Bummeln durch die Straßen beobachten konnten :-). Wir bestellten uns leckere Mititei (Barbecue-Grillwürstchen), Krautsalat, Polenta, Reis nach rumänischer Art und natürlich original Krautwickel. Wem schon das Wasser im Mund zusammen läuft, hier ein paar rumänische Rezepte. Paprika und Tomaten sind hier nicht importiert und schmecken echt köstlich.

Hier noch ein Blick von der Lügenbrücke auf den Piata Mica. Die Lügenbrücke wurde 1859 erbaut und ist die erste gusseiserne Brücke Rumäniens. Über ihren Namen gibt es mehrere Geschichten, wobei die populärste darüber berichtet, dass sie unter Lügnern sofort zusammenbrechen würde. Bis jetzt steht sie noch und nach mir auch noch :-).

Diesen ersten ereignisreichen Tag ließen wir bei einem kühlen Ciuc Radler auf dem Hotelbalkon ausklingen. Das beste Radler, das ich je getrunken habe. Hoffentlich importiert es ein findiger Geschäftsmann ;-).